Schulkunst

Wer war Wera? Diese Frage stellten sich nicht nur die jungen Künstlerinnen und Künstler. Weil ihr Arbeitsplatz „Fokus Familie“ in Nürtingen an der „Werastraße“ liegt, waren auch die dort arbeitenden Menschen neugierig und forschten nach. Die Ergebnisse stellte Schuldekanin Carmen Trick in 16 Szenen aus dem Leben Weras zusammen. Wera entpuppte sich als Tochter aus dem Zarenhaus. Unter schwierigen familiären Umständen landete sie im Schwabenland und wurde von ihrer Tante Olga, der späteren Königin von Württemberg, adoptiert.

Beide Frauen setzten sich für Kranke und Bedürftige ein. Eine Biographie, die gut zum Tätigkeitsbereich von „Fokus Familie“ passt, geht es doch um Erziehungsfragen und Aufmerksamkeitsdefzitsyndorm, um Patchworkfamilien und Traumatisierung durch Gewalt, um kulturellen und religiösen Migrationshintergrund und um soziales Engagement.

 

Schlüsselerlebnisse aus Weras Kindheit inszenierten die Klassen 7a und 8b als fotografische Standbilder und in Collagetechnik. Bei der Vernissage stellten sie einige der Szenen nach, etwa Weras Reaktion auf die erste Maultaschensuppe in ihrer neuen Heimat. Den heutigen Jugendlichen gelang es, sich in die damaligen Probleme Weras einzufühlen. Ob lustige oder ernste Begebenheiten, stets war Weras Bedürfnis nach Sicherheit und Zuneigung zu spüren – ein Anliegen, dass sie mit ihren modernen Altersgenossen verbindet. Am Beispiel Weras wird die Wahrnehmung für manche schwierige Lebenslage von Mitmenschen geschult und Verständnis dafür entwickelt.

Stressbewältigung und Glücksmomente erlebte Wera bei Spaziergängen durch die Stuttgarter Weinberge, wo sie Schneckenhäuser auflas. Solche Sammelobjekte und Lieblingsgegenstände der Prinzessin gestalteten die Schülerinnen und Schülern der 8c aus Ton nach. Wera-Portraits steuerte die 9e bei. Die 10a und 10b entwickelten „Lebenswürfel“, die unterschiedliche Facetten der Biographie Weras anschaulich machen. Kunstlehrerin Christine Schlichter ist es gelungen, mit ihren Klassen ein Leben, das sonst nicht im Rampenlicht des Interesses steht, von unterschiedlichen Perspektiven und mit vielfältigen Materialien zu beleuchten.